Erziehungsstile, was ist der Unterschied und wie beeinflussen sie die Entwicklung von Kindern?

Unter der Bezeichnung „Erziehungsstil“ wird die Art und Weise umschrieben, wie die Eltern ihren Kindern persönliche Werte und Normen mitgeben, des­halb ist es so wich­tig, dass Eltern ihre Werte klä­ren und reflek­tie­ren.

Je mehr sich Eltern mit ihrer eige­nen Erzie­hung beschäf­ti­gen, umso stär­ker unter­schei­den sich ihre Erzie­hungs­ziele und –metho­den von ihren eige­nen Eltern.

Der Erziehungsstil unserer Eltern hat großen Einfluss. Als Erwachsene denken wir oft, dass unsere Art, Beziehungen zu leben, einfach mit unserem Charakter zu tun hätte. Die einen sind eben sehr fein-und fürsorglich, die anderen brauchen eben mehr Distanz und Regeln.

Doch eines übersehen wir dabei, dass es doch viel weniger mit Charakter zu tun als mit unserer eigenen Kindheit. Die Art und Weise, wie unsere Eltern mit uns umgegangen sind, hinterlässt tiefe Spuren in unserem Gehirn. Das heißt, haben wir viel Liebe und Zuwendung erfahren, dann fällt es uns in der Regel auch leicht, feinfühlig und fürsorglich dies an unsere Kinder weiterzugeben. Gerade in den ersten 2 Lebensjahren baut sich das Urvertrauen des Kindes auf. Menschen mit Urvertrauen können sich selbst vertrauen und auch anderen Menschen Vertrauen entgegenbringen. Diese Gefühle sind im Gehirn tief verankert.

Hat man hingegen Eltern (oder auch nur ein Elternteil) die uns nicht das Gefühl von bedingungsloser Liebe geben konnten, dann kann es passieren, dass wir im Erwachsenenalter Schwierigkeiten haben unsere Kinder so anzunehmen wie sie sind.

Denn Werte ver­mit­teln sich über enge Bezie­hun­gen zu seinen Vor­bil­dern.

Darum lohnt es, sich im Vorfeld ein paar Gedanken zu machen, wie erziehen wir unser Kind? Wie verhalten wir uns in anstrengenden Situationen und was wollen wir vermeiden?

Einteilung der „klassischen“ Erziehungsstile nach Kurt Lewin

Der Psychologe Kurt Lewin begann ab den 1930er Jahren mit seinen Untersuchungen, er unterschied in drei Erziehungsstile – autoritär, demokratisch und Laissez-faire.

Autoritär gestalteter Erziehungsstil

Kurzbeschreibung:

  • lässt wenig Freiräume
  • bei nicht erwünschtem Verhalten erfolgen oft Bestrafungen oder auch Schläge
  • Kinder müssen das tun, was Eltern ihnen sagen
  • geprägt durch Kontrolle, Lenkung, strenge Regeln und emotionsloser Erziehung
  • Belohnung und Bestrafung sind typische Erziehungsmittel

Auswirkungen:

  • negativ auf die Persönlichkeits-entwicklung des Kindes
  • negativ für die emotionale Entwicklung des Kindes, wenig Selbstvertrauen, Selbstbild des Kindes leidet sowie geringe soziale Kompetenz
  • Intelligenz-entwicklung kann sich bei diesen Kindern nicht so entfalten und es kann zu Verzögerungen in der Sprachentwicklung und manchmal sogar zu Sprachstörungen kommen
Laissez-faire-Erziehungsstil

Kurzbeschreibung:

  • minimale Lenkung und Kontrolle von den Eltern, geringe Anforderungen an die Kinder,
  • viel Freiheit,
  • weder Regeln noch Richtlinien,
  • keine Orientierung für die Kinder

 

 

Man unterscheidet hierbei noch einmal 2 Varianten:

Auswirkungen:

  • es kann zu Verwirrungen beim Kind führen, wenn im Zusammenleben gar keine Regeln herrschen
  • Kinder empfinden dies möglicherweise als mangelnde Zuwendung, Kinder können eventuell provozieren
  • Leistungsbereitschaft eventuell geringer
  • geringes Selbstwertgefühl
  • es fehlt die soziale Kompetenz
Nachgiebigkeit

Kurzbeschreibung:

  • mit viel Zärtlichkeit, viel Nähe und Liebe
  • Kinder dürfen alles

Auswirkungen:

  • starkes Selbstvertrauen, positives Selbstbild
  • mangelnder soziale Kompetenz
  • stark egoistische Verhaltensweisen
  • können keine Verantwortung für ihr Handeln übernehmen
Vernachlässigung

Kurzbeschreibung:

  • Gleichgültigkeit
  • mangelnde Liebe
  • Desinteresse

Auswirkungen:

  • negatives Selbstwertgefühl und negative Selbstwahrnehmung
  • häufige Entwicklungsstörungen
  • hemmt die soziale Entwicklung des Kindes massiv
  • kann zu Depressionen führen
  • Problemverhalten und Drogenmissbrauch begünstigen
Sozial-integrativer Stil

Kurzbeschreibung:

  • fördert Selbstständigkeit,
  • schließt Kompromisse
  • respektiert die Meinung des Kindes
  • achtet auf die Bedürfnisse des Kindes,
  • unterstützt sein Kind in jeder Situation
  • mit viel Liebe, Geborgenheit und Nähe
  • es gibt einen Rahmen und Regeln
  •  ab einem angemessenen Alter übernehmen Kinder selbst Verantwortung (z.B. anziehen, essen,..)

Auswirkungen:

  • Verhältnis zu den Eltern ist herzlich, frei, ohne Ängste
  • Kind entwickelt Selbstvertrauen, eine Persönlichkeit und soziale Kompetenz
  • sowie größere Leistungsbereitschaft
  • emotionale Sicherheit und Stabilität entwickeln

Nicht immer ist eine trennscharfe Definition möglich. In der Praxis werden meist die Erziehungsstile in einer Mischform angewandt. Es gibt auch noch weitere Erziehungsstile.
Einen zeitgemäßen und für unsere Familie passenden, möchte ich hier noch erwähnen

Bindungs-und bedürfnisorientierten Stil (Orientierung am Attachment Parenting)

Kurzbeschreibung:

  • gleichwertig, die Kinder haben den gleichen Wert wie Erwachsene und die gleiche Würde
  • Kinder werden in ihrer Entwicklung begleitet und mitgebrachte Fähigkeiten und Potenziale als wertvolles Gut betrachtet
  • Kinder haben ein eigenes Recht auf ihre Grenzen und ihre Reaktionen
  • Äußerungen und Meinungen werden ernst genommen
  • die Verantwortung und Führung liegt bei den Eltern
  • eine gute Ur-Bindung ist das Fundament

Auswirkungen:

  • Verantwortungsbewusst-sein
  • Eigenständigkeit
  • autonomes Handeln
  • starkes Selbstbewusstsein und Selbstständigkeit
  • gute Bindung zu den Eltern ( dies ist wie ein Bindungstanz – Bindung muss immer wieder aufgebaut werden )

Heute weiß man, dass Eltern ihre Kinder feinfühlig und respektvoll behandeln sollen, Liebe geben, Verständnis haben und ihnen gleichzeitig Grenzen aufzeigen sollen. Körperliche und seelische Gewalt haben in der Erziehung nichts zu suchen!

Die trag­fä­higs­ten Bezie­hun­gen zwi­schen Eltern und Kin­dern können sich am besten ent­wi­ckeln, wenn Werte am glaub­wür­digs­ten vor­ge­lebt und an die Kin­der weitergegeben werden.

Nachtrag

Es gibt keinen Pädagogischen Leitfaden.

Jede Familie mit ihren Wertevorstellungen ist anders, jedes Kind ist anders und jede Lebensphase ist anders. Es ist nicht immer leicht für Eltern heutzutage bei den vielen Anforderungen und Möglichkeiten seinen Erziehungsweg zu finden, der einen nicht überfordert und den kindlichen Bedürfnissen gerecht wird.

Darum sollten Eltern sich über die kindliche Entwicklung gut informieren und wissen, wann sich manche Kompetenzen entwickeln. Somit können sie vielmehr auf ihr Herz hören.


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