Unser wichtigstes Kommunikationsmittel- die Sprache

Die Sprachentwicklung eines Kindes beginnt bereits schon ab dem 5. Monat im Mutterleib mit dem Wahrnehmen der Stimme seiner Mutter. Die Sprachmelodie und die unterschiedlichen Worte werden schon in den ersten Monaten immer besser kennen gelernt. 

Im ersten Lebensjahr lernt ein Baby, mit dem viel gesprochen wird, Geräusche zu unterscheiden. Es baut sich ein Vorrat von „Baumaterial“ auf und kann diese mit der Zeit erkennen und einordnen und mit seiner Bedeutung verbinden. Diese Verbindung ist Voraussetzung für das eigene Sprechen.

Warum lernen wir  eigentlich Sprache?

Als kleines Kind lernt man seine Muttersprache erst einmal als „Mittel zum Zweck“.

Kinder müssen ihre Muttersprache erlernen, damit sie ihre Bedürfnisse, Wünsche und Ziele anderen mitteilen können und diese dann erfüllt bekommen. (z.B.  das Kind möchte spielen, es ist hungrig, es möchte kuscheln). Im Alltag mit der Familie und bei besonderen Ritualen lernen Kinder die Regeln der Sprache am besten, da es hierbei die sprachliche Anwendung im alltäglichen Miteinander üben kann.

Eine der wichtigsten Grundlagen für den Spracherwerb bilden die frühkindlichen Gespräche mit familiären Bezugspersonen, denn positive emotionale Beziehungen motivieren das Kind erst richtig, sprechen zu lernen.

Aber wie lernen wir Menschen sprechen?

Einmal ist uns als Mensch die Fähigkeit angeboren eine Sprache zu erlernen und auch dies an unsere Kinder weiterzugeben indem wir ihnen dabei behilflich sind diese zu erlernen.

Forschungen haben gezeigt, dass Erwachsene fast immer unbewusst mit kleinen Kindern so sprechen, wie es für ihren jeweiligen Spracherwerb förderlich ist. Dadurch helfen sie ihnen automatisch, das komplexe System der Sprache zu lernen.

Kinder sind auf die Kommunikation mit Erwachsenen angewiesen, um den Sinn der Sprache und ihr System (wie grammatikalische Regeln, Aussprache etc.) erlernen zu können. Zwar erfolgt das Lernen nicht nach Lehrplan oder Unterricht, aber die Sprache lernt es nicht von allein! Hinter einer geglückten Sprachentwicklung steckt sehr viel sprachliche Förderung und Zuwendung, zuallererst der Eltern.

Der Spracherwerb vollzieht sich in Stufen. In der untenstehenden Übersicht findet Ihr alles zusammengefasst.

Entwicklungsschritte beim Spracherwerb

im Alter von 6- 8 Wochen: das erste „Gurren“

im Alter von 2.-4. Monat: Lachen, vermehrte Lautprodkuktion

im Alter von 6 – 9 Monate: Lallstadium

im Alter von 10. – 14. Monat: erste Worte werden gebildet, Wortschatzentwicklung: früher Worterwerb

im Alter von ca. 18 Monaten: vermehrte Wortproduktion, 50-Wörter-Marke erreicht, Wortschatzentwicklung:„Benennungsexplosion“ (in etwa 1 / 2 Jahr Vervierfachung des Wortschatzes), Erste Wortkombinationen, Zwei- und Drei-Wort-Sätze; erste frühe Grammatik („telegraphische Sprache“)

im Alter von ca. 30 Monaten: Schnelles Wortlernen (auch Verben und relationale Wörter), Beherrschung von etwa 200 Worten, Weiterentwicklung der frühen Grammatik

im Alter von ca. 4 Jahren: Korrekte Satzkonstruktionen in der Muttersprache

im Alter von ca. 5 Jahren:Korrekte Aussprache von Wörtern, Implizites, unbewusstes Sprachwissen

im Alter von ca. 6 Jahren: Reorganisationsprozess, spontane Selbstkorrekturen

im Alter von ca. 8 Jahren: Explizites, bewusstes Sprachwissen

im Alter von ca. 16 Jahren: Beherrschung von etwa 60 000 Wörtern

Wie man anhand der Übersicht sieht, steigt im Alter zwischen zwei und drei Jahren der Wortschatz rasant an. Hierfür bedarf es einen Erwachsenen, der viel mit dem Kind spricht damit es auch erfährt, wie die Dinge heißen. Besonders in den ersten drei Lebensjahren ist Sprachförderung also von enormer Wichtigkeit. Durch das Hören der Muttersprache, das Lallen von Lauten, das Plappern erster „Babywörter“ und das Nachsprechen „richtiger“ Wörter lernt das Kind erste einfache Sätze zu bilden, die zunächst noch aus zwei Wörtern bestehen, zum Beispiel „Papa lieb“, „Mama gut“, „Das meins“ usw.

Im dritten Lebensjahr bildet das Kind dann schon etwas längere Sätze und gebraucht Fürwörter (ich, du) und Präpositionen (auf, zum, beim, neben, hinter, an, durch, mit usw.). Hierbei liegt es an uns Erwachsenen, wie groß der Wortschatz ist, den unser Kind mit ins weitere Leben nimmt.  Das heißt, je mehr Wörter wir im Gespräch mit  unseren (Klein-) Kindern gebrauchen, desto größer der Wortschatz an übernommenen Worten. Sprecht von Anfang an richtig mit Eurem Kind. Redet mit ihm bei allen alltäglichen Dingen (wie etwa beim Füttern, beim Wickeln, etc.), was ihr gerade macht, wie das Wetter ist, warum es sich freut oder gerade ärgert usw.

Besonders wichtig ist, dass Ihr Euer Baby anlächelt, wenn es durch Lallen, Mimik oder Gestik „antwortet“, denn so nimmt es mit Euch Kontakt auf.

Was gibt es nun für Möglichkeiten die Sprach-Förderung bei Babys und kleineren Kindern zu unterstützen

  • in den ersten 12 Lebensmonaten eines Kindes, ist die „Grundsteinlegung“ für den Spracherwerb
  • Eltern sollten viel mit Ihrem kleinen Baby sprechen, denn diese Art von Zuwendung –in sprachlicher Form – ist vom ersten Lebenstag an von äußerster  Wichtigkeit!
  • Die Sprechweise ist durch eine besonders hohe Tonlage gekennzeichnet
  • Die Satzmelodie ist oft übertrieben, um die Laute für das Kind besser voneinander unterscheidbar zu machen.
  • Eltern legen automatisch längere Pausen beim Sprechen ein und lenken die Aufmerksamkeit des Kindes durch Akzentverschiebung auf besonders wichtige Wörter.
  • Sie verwenden nur einfache Satzkonstruktionen und einen kindgemäßen Wortschatz, was dem Kind bei der Spracherkennung hilft.
  • Auch Gebärdensprache mit Baby kann den gemeinsamen Alltag bereichern und macht Spaß. Dies wirkt sich positiv auf das Zusammenleben und die kindliche Sprachentwicklung aus
Ab dem 2 Lebensjahr
  • Um richtig sprechen zu lernen ist es sehr wichtig, dass Kinder aktiv sprechen, denn das kindliche Gehirn ist beim Spracherwerb auf den sprachlichen Input (= „Eingabe“) angewiesen. Kleine Kinder sollen selbst aktiv werden, ihre Kommunikation selbst gestalten, um sich die sprachlichen Reize und Anregungen zu holen, die sie in der jeweiligen Phase ihrer Sprachentwicklung benötigen.
  • Wir Erwachsene sind Sprachvorbilder für unsere Kinder. Daher auf richtige und deutliche Aussprache achten
  • Stellt Euren Kindern Fragen, die es ermuntern, ihren Satz weiter zu sprechen. Dagegen sind Verbote und Zurechtweisungen, die den verbalen Austausch beenden und den Entdeckungsdrang des Kindes einschränken, weniger förderlich.
  • Besonders gemeinsame Aktivitäten sind hierbei ein guter Weg, um den Spracherwerb zu fördern. Gerade draußen die Natur gibt uns da eine Menge neue Anregungen. Hier können Kinder neue Erfahrungen machen und neu entdeckte Wörter mit tatsächlichen Gegebenheiten verbinden.
  • Auch Krabbelverse und Kinderreime sowie vorlesen aus Büchern ist ein wirkungsvoller Zugang zur Sprache. Beim Vorlesen bildet sich die Fähigkeit, einen Sachverhalt selbst vorzustellen „innere Bilder“. Dies trainiert wiederum die Aufmerksamkeit, das Rechnen für Textaufgaben und Rechtschreibung sowie die Gedächtnisleistung. Man muss nicht alle Bücher neu kaufen. Auch die Bibliothek ist ein guter Ort, um sich immer wieder Bücher auszuleihe

Beeinträchtigungen in der Sprachentwicklung und Sprachstörungen

Beeinträchtigungen können unterschiedliche Ursachen haben.

  • organisch-somatische Ursachen (z.B. Auffälligkeiten im Bereich der Lippen, der Zunge, des Gaumens oder Kiefers),
  • Hörstörungen (z.B. unerkannte Schwerhörigkeit),
  • neurologische Störungen (z.B. durch Erkrankungen des zentralen Nervensystems),
  • kognitive Beeinträchtigung,
  • der Erwerb einer Zweitsprache (z.B. Deutsch sprechen bei Migranten oder mehrsprachige Erziehung),
  • soziale Beeinträchtigungen (z.B. Familien, in denen wenig gesprochen wird) und
  • Bewegungsmangel
Zu Sprachstörungen gehören
  • Stottern (sobald es über ein halbes Jahr andauert),
  • Sprachentwicklungsstörungen (Stammeln, Dysgrammatismus und Poltern),
  • Stimmstörungen (Näseln und auditive Wahrnehmungsstörungen)

Je eher diese erkannt werden, umso leichter lassen sie sich korrigieren. Eltern sollten sich hierbei Unterstützung und Hilfe bei Fachpersonen suchen (Kinderarzt, HNO-Arzt, Logopäden oder sonstigen Facharzt.)


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