Unser Weg zum Langzeitstillen oder „warum stille ich noch ein Kleinkind“

Ich bin Mama von 3 Kindern und habe alle meine Kinder gestillt. Und so sollte es auch bei meinem dritten Kind sein. Ich machte mir über das Stillen keine weitere Gedanken, denn ich bin eine erfahrene Stillmama und ich war auch diesmal davon überzeugt, dass wird einfach so klappen.

Das einzige was ich mir kaufte, waren 2 Still-BHs (aus Erfahrung 2 Nummern größer). Andere Anschaffungen wie z. B. eine Flasche oder sogar Pre-Milch finde ich nicht erforderlich.

Im Mai 2016 kam nun mein drittes Kind auf die Welt. Die Geburt war recht schnell und so konnte ich meine Tochter schon nach wenigen Stunden in den Armen halten und das erste mal anlegen.

Leider kam es noch zu Komplikationen so dass ich noch in den OP-Saal gebracht wurde.

Endlich wieder in meinem Zimmer, fühlte ich mich sehr schlapp. Aber mein Baby war bei mir und so konnte ich sie auch gleich wieder an die Brust legen. Nur leider klappte es nicht mehr. Mein Baby wollte oder konnte auf einmal nicht mehr trinken. Immer wieder rutschte sie von der Brustwarze und fing an zu weinen oder schlief ein. Um so weniger es mir gelang, sie zum saugen zu bewegen, desto unruhiger wurde ich. Also holte ich mir die Schwestern zu Hilfe. Nur war ich danach noch mehr gestresst und durcheinander, da mir jede was anderes erzählte und viele Schwestern (nach meinem Geschmack) sehr derb mein Baby an meine Brust drückten. Manchmal trank sie ein paar Schlücke , aber ihre Gewichtszunahme war noch zu gering.

Am 3. Tag hatte ich noch keinen Milcheinschuss und die Schwestern fingen an mich zu stressen, ich sollte Pumpen, damit die Milch einschießt und ich mein Baby zufüttern kann, damit es zunimmt. (mit meinem heutigen Wissensstand, war dieser Stress bei uns völlig unnötig). Nun habe ich angefangen zu Pumpen und mein Mann hat unserem Mädchen die Muttermilch per Fingerfeeder noch zusätzlich gegeben. Es waren für mich 2 schreckliche Tage. Dieses Pumpen und das zusätzliche Füttern und die vielen verschiedenen Ratschläge zerrten an meinen Kräften und machten mich wahnsinnig. Ich wusste, dass ich aus dem Krankenhaus raus musste, damit ich mich endlich ganz auf mein Baby einlassen kann. Ich drängte die Ärzte auf Entlassung, obwohl es mir selbst durch diesen kleinen Eingriff noch nicht besonders gut ging.

Endlich wieder zu Hause, konnte ich zur Ruhe kommen und nun kam auch der Milcheinschuss. Wir legten uns gemeinsam auf das Sofa und genossen die erste Zeit im Wochenbett. Ich ließ mich leiten von meiner Intuition, bestärkt von meiner Hebamme und unsere Tochter gedeihte.

Gedanken, wie lange oder oft ich Stillen will machte ich mir nie. Ich ließ es einfach zu. Meine Tochter konnte immer an meine Brust, wann sie es brauchte. Da sie ein sehr unruhiges Baby war und viel weinte, war das die einfachste und wirksamste Art sie zu beruhigen.

Mit ca. 6 Monaten bekam sie das erste mal Beikost. Zuerst versuchten wir es mit Brei. Aber im Gegensatz zu ihren Geschwistern klappte das gar nicht und sie wollte nicht essen. Wir versuchten es nach einiger Zeit dann am Familientisch. Trotzdem musste ich zu jeder Mahlzeit Stillen, da unsere Tochter nur wenig essen wollte. So verging die Zeit.

Heute ist sie 23 Monate alt und sie liebt immer noch die Brust. Leider hat nicht jeder Verständnis zum Langzeitstillen. Wiederrum habe ich mit engen Freundinnen und anderen Muttis schon tolle Gespräche darüber geführt und positive Erfahrungen gemacht. Wir werden weiter Stillen und uns nicht verrückt machen lassen. So lange unsere Tochter die damit verbundene Nähe und Sicherheit braucht, bekommt sie diese. Leider ist in unserer heutigen Gesellschaft die Angst verbreitet, das Kind würde vielleicht nie selbständig werden, wenn es so lange gestillt wird, sich niemals selbst abstillen oder sogar Essstörungen entwickeln wenn man zum trösten stillt. In Wahrheit ist eher das Gegenteil der Fall.

Auch bei unserer Tochter wird die Zeit kommen, wo sie sich eigene Wege sucht, um sich selber zu regulieren. Und bis dahin werden wir sie begleiten. Wir werden ihr viel Geborgenheit geben, damit sie die Fähigkeit zur Selbstregulation ausbauen kann. Denn Stillen ist so viel mehr als Nahrung. Es ist Liebe, Nähe, Geborgenheit, Trost, Wärme, Sicherheit, es ist einfach alles.

500ml Muttermilch decken, bei einem Kleinkind über einem Jahr unter anderem noch

  • …29% des Energiebedarf
  • …43% des Bedarfs an Proteinen
  • …36% des Kalzium-Bedarfs
  • …75% des benötigten Vitamin A
  • …76% des Bedarfs an natürlicher Folsäure
  • …94% des Bedarfs an Vitamin B12
  • …60% des Vitamin C-Bedarf

Ein gestilltes Kleinkind hat auch weiterhin viele Vorteile.

Muttermilch wirkt immer noch schmerzstillend, Kinder sind seltener übergewichtig und seltener krank. Die Kiefer- und Gesichtsmuskulatur ist meist optimal entwickelt.

Und auch mir als Mama kommt das Stillen über das erste Jahr hinaus zugute. Es vermindert die Gefahr an Brust- oder Eierstockkrebs, Diabetes, Herz- Kreislauferkrankungen, Osteoporose zu erkranken.

Ich selbst bin schlanker wie vor der Geburt, mein Blutdruck ist nicht mehr erhöht und auch in den letzten 2 Jahren war ich nicht ernsthaft krank.

In der Zwischenzeit habe ich mich zur Stillberaterin und Schlafberaterin 1001Kindernacht ausbilden lassen um anderen Mamas auf ihren Weg zu begleiten und Mut zu machen, damit auch diese eine schöne und entspannte Stillbeziehung erleben können.

Eure Claudia


2 Kommentare
Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Ich akzeptiere

*

*